Gegensätze ziehen sich an

Gegensätze ziehen sich - So sagt man und so erlebe ich es immer wieder. Im Alltag aber auch beim Umgang mit Pfeil und Bogen:

  • Spannung und Entspannung
  • Etwas mit aller Macht erreichen wollen oder es bedingungslos erreichen
  • unbekannte Gruppen und intensive, ganz persönliche Gespräche
  • positive und negative Energie
Spannung und Entspannung

Beim Bogenschießen treffen Spannung und Entspannung im tatsächlichen wie im übertragenen Sinne aufeinander. Wir müssen uns im Bewegungsablauf zunächst einlassen und aufspannen. Am Punkt der höchsten Anspannung gilt es dann die Finger zu lösen, um den Pfeil frei zu geben und ihm auf seinem Weg zum Ziel nach zu schauen. Dann erst folgt die Entspannung. In dieser Entspannung ist plötzlich Raum zum Nachspüren und für Neues. Einen nächsten Pfeil, eine neue Idee oder eine veränderte Bewegung. Eigentlich ist das eine ohne das andere gar nicht möglich. Spannung nicht ohne Entspannung und Entspannung nicht ohne Spannung.

 

Etwas mit aller Macht schaffen wollen oder es bedingungslos erreichen

Ruhe, Achtsamkeit und Müßiggang stehen häufig im Gegensatz zu dem, was wir in unserer konsumbetonten Zeit und unserem schnelllebigen Alltag erleben. Leistung und ständige Erreichbarkeit sind wichtig und gefragt. Beim Bogenschießen, ist der (Leistungs-)Druck, den wir uns gerne selbst auferlegen meist eher hinderlich. Wir meinen besonders gut schießen und mittig die Scheibe treffen zu müssen. Dabei stellt sich die Frage, ob es beim Unbedingten Wollen darum geht etwas mit aller Macht schaffen zu müssen oder es lieber bedingungslos erreichen zu können. Das Alltagsdenken aufzugeben und mit Hilfe der Achtsamkeitsübungen ganz in den Augenblick zu kommen, ist dabei ungewohnt aber extrem hilfreich. Das Unbewusste in Bewusste holen. Ich freue mich immer wieder, wenn es mir selbst gelingt und ich die Teilnehmenden meiner Kurse dazu anleiten kann.

 

Eine unbekannte Gruppe und intensive, ganz persönliche Gespräche

In unbekannter Gruppe miteinander aktiv werden kennen wir. Trotzdem bleibt beim Bogenschießen erstmal jeder für sich. In der Achtsamkeit, bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Material und mit den ersten Schüssen. Das heißt nicht, dass die Teilnehmenden nicht miteinander in Kontakt und ins Gespräch kommen. Aber sie bleiben dabei zunächst auf einer oberflächlichen Ebene.

Erst durch das Eingebunden sein und das eigene Erleben entsteht das Gefühl „richtig“ zu sein. Ganz gleich ob wir die Mitte der Scheibe treffen oder der Pfeil am Stroh vorbei fliegt. Es entsteht eine offene Atmosphäre. Diese ermöglicht es auch über sehr vertrauliche und persönliche Themen ins Gespräch zu kommen. Schnell gibt es mit Pfeil und Bogen ganz individuelle Erfolgserlebnisse. Die konzentrierten Treffer auf der Strohscheibe stehen dann unbewusst häufig für die Fähigkeit und das Vertrauen (auch im Alltagsleben) etwas bewegen zu können. In dieser Stimmung ist es leicht, sich zu öffnen, privates und zunächst schützenswertes von sich Preis zu geben und intensiv in den Austausch zu kommen. Die Impulse des Bogenschießens in Kombination mit dem Austausch ermöglichen es alltagstaugliche Übertragungen herzuleiten.

Positive und negative Energie

Der Pfeil verlässt völlig anders als gewünscht den Bogen und trifft dementsprechend auch nicht so die Scheibe, wie wir es uns vorgestellt hatten. Eigentlich ärgert uns das. An dieser Stelle nicht in die eigene Abwertung zu gehen, ist eine hohe Kunst. Schließlich haben wir einen hohen Anspruch an uns selbst. Beim Bogenschießen (wie bei der Achtsamkeit) kommt es jedoch darauf an, das anzunehmen, was gerade ist. Annehmen, denn sobald sich der Schuss gelöst hat gehört er bereits der Vergangenheit an. Wir können nichts mehr ändern. Es sein denn, wir legen den nächsten Pfeil ein. Achtsam, für uns selbst und die Kleinigkeiten im Bewegungsablauf, die wir bewusst oder unbewusst verändern können. Der vermeintlich negative Impuls verschafft uns so offen und achtsam wahr- und angenommen also eine neue Option. Im Grunde spart er sogar Zeit und Energie. Ressourcen, die wir für die Weiterentwicklung unserer Technik oder die Übertragung auf das Alltagserleben nutzen können.

 

Durch das Schreiben dieses Artikels erscheint es mir, dass wir die Gegensätze sogar brauchen. Es kommt auf die richtige Balance an. Im Spannungsbogen zwischen zwei Gegensätzen zu stehen, sich einzulassen und darauf zu vertrauen, dass die Energie, mit der der Pfeil seinen Weg zum Ziel findet schon stimmt. Das Treffen auf der Scheibe gibt uns jedenfalls immer wieder ein verlässliches Feedback.

Bleib immer Up-To-Date und erhalte die neusten Infos zu kommenden Veranstaltungen mit meinem Newsletter.